Dienstag, 4. August 2015

Albertine von Grün


in Buch, das mir sehr am Herzen liegt. Es stammt aus meinem Regalfach für „Biographien des 18./19.. Jahrhunderts“. Das schwer wirkende Buch hat das nicht alltägliche Format von 20,5 cm Höhe x 15,5 cm.Breite.
Passend zum Namen der Dame ist es in einem schönen Grünton gehalten. Der Einband zeigt das einzig erhaltene Portrait von Albertine von Grün, einen Scherenschnitt.

Die Biographie über diese Bürgersfrau aus der Mittelschicht gelangte mir vor vielen Jahren durch Zufall in der Universitätsbibliothek Würzburg vor die Augen. Es hat mir auf Anhieb sehr gefallen. Damals wußte ich noch wenig über Goethe oder ihre Brieffreunde Merck und Klinger. Mit der jüngsten Vertiefung in das Leben Goethes und das 18. Jahrhundert an sich kam mir wieder dieses Buch in den Sinn und ich kaufte es.
In den 256 Seiten steckt eine Fleißarbeit, die ich als Prototyp für eine gelungene Biographie erachte. Goethe und Albertine haben sich nie kennengelernt. Ihre Briefe sind nur durch die Goetheforschung bekannt geworden. Mit Sicherheit gab es mehr Korrespondenz, aber lediglich jene zu den Freunden und Bekannten Goethes blieb erhalten.
Leider verstarb Albertine von Grün sehr jung, sie lebte von 1749-1792. Ihre Lebensorte beschränkten sich auf den Westerwälder Ort Hachenburg und Besuche in Darmstadt.

Das Grabmal mußte unverständlicherweise einer Straßenerweiterung weichen. Der große Baum und das Grab, nicht mehr vorhanden. Es stimmt einen schon traurig, wie sorglos die Nachkriegsjahrzehnte mit Bau- und Kulturdenkmälern zugunsten des Verkehrs umgegangen sind.
Vor 1930
„Das Grabmahl der Albertine von Grün (1749-1792) wird von einem eingemeißelten Totenkopf gekrönt. Dank einer vom Verein für ländliche Wohlfahrtspflege veranlassten Renovierung (1929) ist auch die Inschrift des Gedenksteins noch lesbar: Hier schlummert einer frohen Auferstehung entgegen der Leichnam der Hochwohlgeborenen Fraeulein Albertine Grün. Sie ward geboren den 11ten Octobris 1749 und starb den 12ten May 1792 in der Mitte ihres thaetigen menschenfreundlichen Lebens. An ihrem 200. Todestag wurde der mittlerweile stark verwitterte Grabstein durch eine davor liegende Marmortafel ergänzt, die Steinmetzmeister Sedone der Stadt Hachenburg als Geschenk überließ. Die offizielle Feierstunde zum Gedenktag fand im Beustschen Haus statt." (aus: Heinrichs, Günther: Vom Leben im Hachenburger Land. Der Hintergrund zu heute. Bad Marienberg 1976, S. 103 sowie >Inform< - Wochenzeitung mit den öffentlichen Bekanntmachungen der Verbandsgemeinde Hachenburg, der Ortsgemeinden und des Zweckverbandes. Verlag Linus Wittich Höhr-Grenzhausen 5.6.1992)

Für Hachenburg selbst ist Albertine von Grün von großer Bedeutung. Sowohl der Grün'sche Hof wie das Beust'sche Haus existieren noch, eine Straße trägt ihren Namen und ein neues Buch ist über sie erschienen (besitze ich leider noch nicht – Hrsg.Grabowski R., Meine Albertine von Grün 1. Aufl. - Hachenburg, 2014). Der Grün'sche Hof ist Bestandteil der Hachneburger Brauerei und liegt außerhalb des Altortes. Man muß schon gezielt diesen Ort abseits einer Stadtbesichtigung aufsuchen.




 Der Inhalt des Buches ist in drei Hauptkapitel gegliedert:
  • Albertine von Grün (Vorstellung der Person)
  • Ihr Freundeskreis:
        • Marianne Höpfner
        • Julius Höpfner
        • Caroline von Wieger
        • Johann Heinrich Merck
        • Friedrich Maximilian Klinger
        • Ernst Christian Schleiermacher
        • Anton Matthias Sprickmann

  • Briefe
  • Erläuterungen

  • Albertine von Grün im Urteil ihrer Nachwelt
  • Zusammenfassung und Würdigung
          • Lebenssituationen
          • Das Klinger-Erlebnis
          • Freundschaften
          • Albertine als Schreiberin
          • Schwärmerei, Naturerlebnis, Heimatgefühl
          • Fazit ihres Lebens
  • Zeittafel
  • Namensregister
  • Benutzte Literatur
  • Anmerkungen der Herausgeber
  • Die Herausgeber
    * Heinrich Schneider
    * Fritz Ebner
    * Herta Eisnach

Hier einige weiterführende Links:
  • über Albertine von Grün: L i n k
  • über den Grün'schen Hof:  L i n k
  • über das Beust'sche Haus: L i n k
    Facebookseite über Albertine von Grün (von hier habe ich auch das Foto der  Grabmalgegenüberstellung 1930-2014)L i n k






Montag, 3. August 2015

Warum ich niemals E-Books lesen könnte


 b und an kommen Bücher in meine Wohnung, die ich längere Zeit einfach nur betrachte und sie genauestens in Augenschein nehme. Mit diesem Buch wurde mir endgültig klar, daß mir ein E-Book niemals solche Freude machen würde. Jedes Buch besitzt doch so etwas wie eine individuelle Seele, man kann es schlecht in Worte fassen (mir zumindest geht es so). Das geradezu sinnlich-meditative Öffnen eine Buches und Umblätternd er Seiten kann durch nichts ersetzt werden. Dieses Buch hat mir auch wieder einmal gezeigt, daß sich ein und dieselbe Geschichte anders liest, je nach Buch- und Papierart, Deckbild, Einbandmaterial und kleinen Details wie Illustrationen oder Initialiengestaltung.

"Die schönsten Gespenstergeschichten" ist die Loewe-Neuauflage von 2003. Ersterscheinung 1995 im gleichen Verlag (in gleicher Ausführung). Herausgeberin ist Kitty Heeman. Das schöne Häuschen, das sich wie vor Schreck wegduckt oder unter dem Spuk in seinen Räumen leidet und die Fledermäuse stammen von der Illustratorin Eva Möhle. Die Kurzgeschichten auf 234 Seiten kenne ich zum Teil bereits, lese sie aber wie aus oben genannten Gründen gerne nocheinmal. Das Quellenverzeichnis nennt Mary Hottigners "Gespenster" vom Diogenes-Verlag, das ich besitze. Es ist wieder so ein Buch, zu dem ich gerne sage: "Willkommen in meinem Bücherregal, fühle dich wohl und schau weiter so hübsch aus!"

Das Haus im Detail
 Jede der Geschichten wird im Titel von zwei Fledermäusen flankiert, die an unterschiedlichen Stellen positioniert wurden. Ein kleines und freundliches Detail des Buches. So macht Bücherlesen wirklich Spaß.


Als Lesezeichen dient mir ein auf dünnem Papier gedrucktes Goethezitat, das aus irgendeinem Bändchen der Reihe "Mit Goethe durch das Jahr" stammt und dort als Lesezeichen vorgesehen war. Es dürfte das letzte sein, das ich noch habe.
Buchrücken und -rückseite