Samstag, 4. Mai 2013

(M)ein Dorf im Landkreis Würzburg



 ltertheim, genauer gesagt: OBERaltertheim ist nun meine neue Heimat. Damit ist  doch so etwas wie ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen - nämlich das Leben auf einem Dorf. Ringsumher stellte ich für mich fest, daß mir Oberaltertheim von seiner Struktur und räumlichen Gliederung her am besten von allen Orten im südlichen Landkreis Würzburg zusagt.  Passend auch, daß ich in einer Burgstraße lebe. Anstelle der Schule und eines Teils der umliegenden Höfe stand einst ein befestigter Ansitz der Herren "von Altertheim" in diesem Raum, die wenigstens im frühen 13. Jh. hier einen standesgemäßen Platz für sich schufen.
Fenster an einem leerstehenden Haus
Die "Schulhauskatze"












Das besondere am Ort ist, daß bis auf wenige Häuser alle älteren Höfe auf das Jahr 1826 zurückgehen, da der Ort 1825 fast vollständig abgebrannt ist. Ein weiteres Schmankerl des Dorfes sind seine speziellen Hoftorpfosten, die es in dieser Form nur hier gibt. 13 mir bekannte Anwesen weisen sie noch auf, mit der typischen Einkerbung und dem Loch, dem Halbrund als Abschluß und diversen Karos, Dreiecke, Sonnenstrahlen etc. als Ornament. Wie jeder Ort hat auch dieser seine Leerstände, die aber nicht mehr als sechs Anwesen betreffen.  Architektonisch gibt es ein paar hübsche Fachwerkhäuser sowie ein originales Haus aus der Zeit vor 1790 nebst einigen alten Kellern in anderen Höfen, die den Brand überstanden.
Auch viele Katzen gibt es hier, und trotzdem eine reiche und quirlige Vogelwelt. Wenn ich unser Haus so abgehe, sind ein paar mit Dünnschiß darunter.  Meine zwei, Gina und Lina, haben sich ihr Plätzchen ausgesucht und halten sich am liebsten in der Nähe des Hauses auf, worüber wir sehr froh sind.
Weiterhin erstaunt mich, daß der Ort gleich zwei Ortschroniken vorweisen kann, eine aus dem frühen 20. Jh. und eine von 1968 sowie das publizierte Tagebuch eines Bauern aus Oberaltertheim für das 19. Jh. - für mich als Mensch,d er gern weiß, wo er sich gerade befindet, eine Schatztruhe der Erkenntnisse.
Kurzum, ich mag diesen Ort.



Scheune von 1826

Bauernhof von 1826

Fachwerkhaus in der "krummen Gasse"

Detail eines leerstehenden Hauses
































 Wenn man sehenden Auges durch den Ort, in dem man lebt, geht, sieht man erfreulicherweise viele Details, die es wert sind, beachtet zu werden, das können auch nur winzige "Belanglosigkeiten" wie ein Löwenzahn neben einem alten Futtertrog oder  ein kleines Fensterchen in skurriler Lage in einer Wand sein.




Grundstückseinfriedung von 1907











Das Bürgermeisteramt hat im Erdgeschoß eine kleine Bücherei, dessen Lager ich ausräumen darf:: es haben sich viele Bücher angesammelt, die mangels Interesse ausgemustert sind. Man weiß nicht, wohin mit ihnen. In der Masse handelt es sich um Sachbücher.
Bürgermeisteramt, 1874

 
Pfarramt, 1828
Osterstämmchen

Einer der bemerkenswerten Hoftorpfosten
Meinen merkwürdigen Einstand in den Ort hatte ich vor einigen Tagen, als ich einen kleinen farbigen Jungen bemerkte, der weinend mit seinem Roller durch die Burgstraße rollte und nach seiner Oma rief. Er erzählte mir, daß er sie und andere Kinder aus den Augen verloren hatte, weil er mit den Roller zu schnell durch die straßen fuhr. Sie wollte eine Bekannte seiner Oma besuchen, doch er wußte nicht, wo das ist. Nach der befragung einiger Passanten fand ich jemand beim Pfarrhaus, mit dem ich mich verständigte. Telefonate ergaben nichts, ich habe den Jungen in der Pfarrei "geparkt" und habe in der Richtung gesucht, wo die Oma in etwa hinwollte, leider ergebnislos. Zurück beim Pfarrhaus kam mir dort schon ein Freund der Pfarrerin entgegen und sagte, daß der Junge von einem Bekannten der Oma abgeholt wurde, der suchend durch den Ort fuhr.
Tage später sah ich Maurice, wie der Junge heißt, im Landratsamt Würzburg mit seiner Mutter wieder.
Mißmutige Hofkatze
"Frau Brunette"

Eine Katzenversammlung in einem Bauernhof



 

Kommentare:

  1. Hallo und einen lieben Dank für diesen wunderbar kommentierten Gang durch das "neue Heimatdorf". Meine Fantasie bekam Flügel....und die Katzenversammlung würde ich recht laut gestört haben.
    Wuff und LG
    Aiko

    AntwortenLöschen
  2. Das Dorf sieht sehr schön, geradezu idyllisch aus und die Hofpfosten sind interessant, was für eine Bedeutung hatten die unterschiedlichen Zeichen einst?
    Oh, meine Oma hatte auch mal so eine Katzenbande zu versorgen, aber mir reichen dann doch meine zwei :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die unterschiedlichen Motive sind eigentlich ohne Bedeutung, wie ich bislang noch weiß, nur beim Pfarramt könnte es eine Auftragsarbeit sein, denn hier zeigen die Türpfosten Sonnen.

      Löschen