Samstag, 3. März 2012

Iphofen - Teil III

as Rödelseer Tor




Das Rödelseer Tor ist DAS Wahrzeichen der Stadt Iphofen. Entsprechend vielfältig ist seine Darstellung, ob als Zeichnung, Ölgemälde, Aquarell, auf Tellern, Tassen, Taschen oder als Log oder Touristinformation Iphofen – naja, und nicht zuletzt als beliebtes Fotomotiv heiß begehrt.

Hier eine kleine Reihe Bilder ein und desselben Motivs, der Torinnenseite:


um 1919 und 1920 gezeichnet


1925, Fotograf: Friedrich Warncke und von irgendwem irgendwann vor 1945


Zeichnung von Theo Dreher aus den 1960ern und Foto von Claudia anno 2012


Logo der Touristinformation

Auf dem Foto von vor 1945 ist mir eine "graue Frau" aufgefallen, die ich mal vergrößert habe. Ist es eine eine Bewohnerin des Tores gewesen? Die Mütze und die Schuhe sind schon originell, genauso die Katze neben ihr, sie wirkt gelangweilt und mürrisch.


Durch seinen Bekanntheitsgrad ist es auch entsprechend gut erforscht.
Das Rödelseer Tor war einst das Vorwerk für das eigentliche Stadttor und den dazugehörigen Mittagsturm. Die verbindende Mauer wurde 1827 entfernt. Der Mittagsturm stammt im unteren mindestens aus dem 15. Jh. Und wurde in der Zeit um 1495/1519 aufgestockt.


Der Mittagsturm, draußen ist das Rödelseer Tor zu erkennen und Blick in die Stadt mit Pärchen


1935, die Gänse mal wieder auf dem Marsch


Der Turm am Rödelseer Tor


Das Rödelseer Tor wurde um 1460 umgebaut. Zu Anfang des 16. Jh. bekam der Turm den spitzen "Hut" aufgesetzt und es kamen die Fachwerkeinbauten hinzu, um den Turm bewohnbar zu machen. Anstelle des Wehrgangs über dem Tor kam ein Fachwerkaufsatz.
Rechts des Tores wurden im 17. Jh. ein Torwächterhäuschen sowie links ein größeres Wohnhaus jeweils in Fachwerkbauweise an die Mauern angebaut. Die Zugbrücke, die beide Tore miteinander verband, wurde durch eine Steinbrücke ersetzt.


Ein fotografierendes Paar war schon 1936 in Iphofen unterwegs. Das Tor von außen gesehen. Die Zeichnung stammt von dem französischen Maler Renard, 1941 Kriegsgefangener im Raum Iphofen


Das Torhaus des Vorwerks mit bischöflichem Wappen (Johann v. Grumbach, 1455-66 Würzburger Bischof)

Wie der Stadtrat die Unterhaltung und den Bau der Befestigungsanlagen auch finanzierte zeigt ein Eintrag aus einem Ratsbuch. Im Juni 1556 wurde Rhele Metzler dazu verdonnert, für den Bau eines hölzernen Steges vor dem Rödelseer Tor,d er über den Graben führt, 8 Gulden Strafe zu zahlen; Er Hatte Kuhfleisch als Ochsenfleisch verkauft.


Die Ostseite des Tores anno 1950 und 2012. Mir gefällt besonders der kleine Fachwerkaborterker über dem Graben

Während des dreißigjährigen Krieges kam es am 30.6.1929 zu einem Zwischenfall, der durch Trunkenheit hervorgerufen wurde (manches bleibt eben, wie es ist:
Drei betrunkene Reiter ritten in die Stadt ein und schoßen auf den Hund des Schäfers, der ein Bein verlor. Einer der Männer drangsalierte anschließend Zimmerleute, die am Rödelseer Tor arbeiteten (vermutlich, um die erwähnten Gebäude zu errichten). Er geriet mit dem hinzukommenden Torwächter in Streit und es gab ein Handgemenge, woraufhin er mit seinen Kumpanen aus der Stadt floh. Im Gemeindegebiet stießen sie auf die Tochter eines Iphofener Bürgers. Als sie sich gegen die bevorstehende Vergewaltigung wehrte, ritten sie mit den Pferden über das Mädchen, schleiften sie über den Boden und erschlugen sie mit dem Säbel. Später hat jener Reiter, der am Tor den Aufruhr verursachte, in den Weinbergen einen alten Mann und seine Frau überritten und schlug ihre Köpfe mit einem Weinstickel blutig.


Westansicht mit dem Flanierweg, der auf dem Wall vor dem Stadtgraben rund um die Stadtmauer führt

Am 22.8.1631 stand ein Soldat am Tor Wache, er hieß Hans Schuster. Offensichtlich hatte er mächtig Langeweile und so schoß er mit seiner Muskete auf die Ziegelhütte vor der Stadt. Die Frau des Zieglers kam anscheinend in die Schußlinie: ihr wurde oberhalb der linken Brust in den Körper geschossen (oder geschah es aus Absicht?).
Heute wirkt das Tor friedlich und malerisch, aber was es alles gesehen hat, das mag man heute nicht mehr erleben wollen.

Die Wirkung des troes wird hauptsächlich durch das schöne Fachwerk hervorgehoben:


Das Wohnhaus aus dem 17. Jh.




Das Torwächterhäuschen aus dem 17. Jh.


Eine Besonderheit ist das originale Tor mit dem sehr kleinen Schlupfpförtschen, durch das Spätheimkehrer noch hinein oder Bürger hinauskonnten, ohne das schwere Tor öffnen zu müssen. Öffnen und Schließen der Torflügel beanspruchte Zeit, die versteckt liegende Feinde nutzen konnten.


Die rote Markierung zeigt die Lage des Tores

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