Sonntag, 11. März 2012

Beim Griechen ...

 ie Zellerau ist ja momentan eine Art Riesensackgasse, dank der Vollsperrung des Zeller Bocks. Nun, nichts desto trotz hat es dort viele nette Annehmlichkeiten - nicht nur ein tolles Buchantiquariat. Lecker Essen gibt es auch, so etwa beim Griechen gleich neben dem Aldi (klingt jetzt unromantisch, ich weiß^^)
 Sehr freundlicher Herr und Meister, schmackhaftes Essen und stimmungsvolles Ambiente - und wo waren wir?

H I E R !

Wir sind wohl Leute, die zu den wenigen gehören, die auch in Restaurants nach netten Fotomotiven suchen .... es gibt eben auch kleine Details, an denen es sich erfreuen läßt.


Details von einem sehr schönen Wandgemälde in einem Speiseraum










Wein und Uso






Und Claudia hat den Rest mitgenommen :o)

Montag, 5. März 2012

Literatur zu Iphofen

eine ersten zwei "Iphofenbücher" fand ich in einem netten Antiquariat in Würzburg/Zellerau., weitere folgten dann dank Amazon, Booklooker und Ebay nach. Über den Ort ist viel und gern geschrieben worden. Das älteste bekam ich leider nicht: Joseph Zink. Iphofen, ein altfränkisches Städtebild, Dettelbach 1911. Dazu hätte ich in die Unibücherei am Hubland in Würzburg fahren können, aber angesichts der großen Studentenzahlen und den Berichten, daß sie schon auf den Treppen zum Lernen sitzen, verging mir die Lust.  Dieses Desaster mit den Studenten ist aber eine völlig andere Geschichte.

Besonders erfreulich war für meine Recherchen zu den Stadttoren und der Stadtmauer, daß diesen Bauwerken ein komplettes Heft gewidmet war. Es hat zwar nur 42 Seiten und wenige Bildtafeln, aber es reichte für den ersten guten Überblick.

Drei  schöne, gebundene Bücher ergänzen sich  durch ihre unterschiedlichen Inhalte
und  machen die Stadt Iphofen mit ihren Häusern, Gassen und Straßen richtig lebendig.
Ich bin einfach so gestrickt, daß ich über den Ort, an dem ich bin, gerne etwas erfahren möchte, um mich ihm besser annähern zu können, dabei ist es egal, ob es sich um einen Wald, ein Naturschutzgebiet, ein Dorf, eine Stadt oder andere Bauwerke oder Naturlandschaften handelt. Wenn wir  uns etwas anschauen, gehen wir, um beim Beispiel Iphofen zu bleiben, durch jedes kleine Gässchen. Die Stadt war uns auch zwei Besuche kurz hintereinander wert - aber es werden noch weitere  folgen.


Als Stadtbesucher findet man als erste kleine Information in der Kirche St. Vitus das übliche Schnell & Steiner Kirchenführerheftchen mit 30 Seiten.











Hier die dicken großen Bücher, die ein Beispiel für beste Stadtforschung sind:
Brombierstäudls Buch kam 1983 heraus

Geschichte aus dem Stadtarchiv, 1992
2000 erschienene, erstklassige Stadtgeschichte















In den Büchern habe ich viel und lange  gelesen. Ich weiß noch, daß mich Literatur dieser Art vor 10 Jahren nicht interessiert hat, wenn nichts über Burgen darin zu finden war. So kann man sich im Lauf der Zeit ändern.




Ausschnitt aus der Zeichnung des Spitals
Diese schmale Buch erschien 1977 und beinhaltet auf 64 Seiten Auszüge aus der großen Stadtchronik von Brombierstäudl. Ich fand es durch Zufall im Antiquariat. Für Erste einblicke in die Stadt und ihre Eingemeindungen ist es ganz brauchbar.
Bildausschnitt: Bauern auf dem Heimweg anno 1900

Detail einer Buchseite (Seite 84 von "Dies und das aus Iphofens Vergangenheit")


Samstag, 3. März 2012

Iphofen - Teil IV


as (Main)Bernheimer Tor


Die grüne Markierung zeigt die Lage des Tores

Dieses Tor ist leider an den Seiten niedergelegt. Das äußere Tor steht noch mit seiner Westmauer, während das innere Tor noch komplett mit Turm und Dach erhalten ist.


2012 und wann auch immer (evtl. Ende 19. Jh.)

Es dürfte 1421/22 entstanden sein und wurde wohl anstelle eines älteren erbaut.. Noch 1401 war das Gräbenviertel durch einen Flechtzaun und evtl. einer schwachen Mauer geschützt.


Innerer Torturm 2012 und 1950

Wie das Einersheimer Tor hatte auch das Bernheimer Tor sein besonderes Kriegserlebnis. Das war im Jahr 1553. Am 22 April erschienen in der achten Morgenstunde drei Boten des Markgrafen Albrecht Alcibiades. Die versammelten Ratsherren oben im Torhaus bekamen den Befehl des Markgrafen, daß drei oder vier von ihnen sich auf dem Hohenlandsberg (markgräfliche Festung im Steigerwald) einzufinden haben, wo sie mit einem Bevollmächtigen des Markgrafen über das Lösegeld für die Stadt verhandeln sollen, um eine Plünderung Iphofens zu vermeiden.
Der Rat weigerte sich, dieser Forderung nachzukommen. Tage später ging die Spitalmühle vor dem Bernheimer Tor in Flammen auf. Bereits am 1. April brannten drei Mühlen der Stadt.


Äußeres Tor 2012 und Anfang 20. Jh.

Würzburg schickte keine Hilfe, die Stadt mußte sich selber helfen und mußte mit Alcibiades verhandeln. Es ging nun doch auf die Burgfeste, dort erhielt der Rat die Forderung von 2000 Gulden und vier Ratsangehörige verblieben als Geiseln auf dem Hohenlandsberg. Iphofen wurde dem Markgrafen geöffnet und die Bürger mußten im die Treue schwören.


Inneres Tor 2012-1950-um 1910


Das Jahr 1553 war während des Markgräflerkrieges ein rechter Tumult. Da wurde geplündert, gebrandschatzt, drangsaliert auf Teufel komm raus und Engel komm rein. Die Angst der Iphöfer Bürger sorgte auch dafür, daß das Bernheimer Tor zeitweise "verschütt" wurde, also mit Erde und anderem verbarrikadiert.


Tor unter dem Turm


Das Torhaus besteht auch hier aus Fachwerk


Eine alte, steile Treppe konnte ich hianufgehen. Solche Treppen ziehen mich stets magisch an^^


Oben fand ich ein paar nette Details


Teil des äußeren Tores 2012 und 1947


Leben mit dem Tor anno 1935

Iphofen - Teil III

as Rödelseer Tor




Das Rödelseer Tor ist DAS Wahrzeichen der Stadt Iphofen. Entsprechend vielfältig ist seine Darstellung, ob als Zeichnung, Ölgemälde, Aquarell, auf Tellern, Tassen, Taschen oder als Log oder Touristinformation Iphofen – naja, und nicht zuletzt als beliebtes Fotomotiv heiß begehrt.

Hier eine kleine Reihe Bilder ein und desselben Motivs, der Torinnenseite:


um 1919 und 1920 gezeichnet


1925, Fotograf: Friedrich Warncke und von irgendwem irgendwann vor 1945


Zeichnung von Theo Dreher aus den 1960ern und Foto von Claudia anno 2012


Logo der Touristinformation

Auf dem Foto von vor 1945 ist mir eine "graue Frau" aufgefallen, die ich mal vergrößert habe. Ist es eine eine Bewohnerin des Tores gewesen? Die Mütze und die Schuhe sind schon originell, genauso die Katze neben ihr, sie wirkt gelangweilt und mürrisch.


Durch seinen Bekanntheitsgrad ist es auch entsprechend gut erforscht.
Das Rödelseer Tor war einst das Vorwerk für das eigentliche Stadttor und den dazugehörigen Mittagsturm. Die verbindende Mauer wurde 1827 entfernt. Der Mittagsturm stammt im unteren mindestens aus dem 15. Jh. Und wurde in der Zeit um 1495/1519 aufgestockt.


Der Mittagsturm, draußen ist das Rödelseer Tor zu erkennen und Blick in die Stadt mit Pärchen


1935, die Gänse mal wieder auf dem Marsch


Der Turm am Rödelseer Tor


Das Rödelseer Tor wurde um 1460 umgebaut. Zu Anfang des 16. Jh. bekam der Turm den spitzen "Hut" aufgesetzt und es kamen die Fachwerkeinbauten hinzu, um den Turm bewohnbar zu machen. Anstelle des Wehrgangs über dem Tor kam ein Fachwerkaufsatz.
Rechts des Tores wurden im 17. Jh. ein Torwächterhäuschen sowie links ein größeres Wohnhaus jeweils in Fachwerkbauweise an die Mauern angebaut. Die Zugbrücke, die beide Tore miteinander verband, wurde durch eine Steinbrücke ersetzt.


Ein fotografierendes Paar war schon 1936 in Iphofen unterwegs. Das Tor von außen gesehen. Die Zeichnung stammt von dem französischen Maler Renard, 1941 Kriegsgefangener im Raum Iphofen


Das Torhaus des Vorwerks mit bischöflichem Wappen (Johann v. Grumbach, 1455-66 Würzburger Bischof)

Wie der Stadtrat die Unterhaltung und den Bau der Befestigungsanlagen auch finanzierte zeigt ein Eintrag aus einem Ratsbuch. Im Juni 1556 wurde Rhele Metzler dazu verdonnert, für den Bau eines hölzernen Steges vor dem Rödelseer Tor,d er über den Graben führt, 8 Gulden Strafe zu zahlen; Er Hatte Kuhfleisch als Ochsenfleisch verkauft.


Die Ostseite des Tores anno 1950 und 2012. Mir gefällt besonders der kleine Fachwerkaborterker über dem Graben

Während des dreißigjährigen Krieges kam es am 30.6.1929 zu einem Zwischenfall, der durch Trunkenheit hervorgerufen wurde (manches bleibt eben, wie es ist:
Drei betrunkene Reiter ritten in die Stadt ein und schoßen auf den Hund des Schäfers, der ein Bein verlor. Einer der Männer drangsalierte anschließend Zimmerleute, die am Rödelseer Tor arbeiteten (vermutlich, um die erwähnten Gebäude zu errichten). Er geriet mit dem hinzukommenden Torwächter in Streit und es gab ein Handgemenge, woraufhin er mit seinen Kumpanen aus der Stadt floh. Im Gemeindegebiet stießen sie auf die Tochter eines Iphofener Bürgers. Als sie sich gegen die bevorstehende Vergewaltigung wehrte, ritten sie mit den Pferden über das Mädchen, schleiften sie über den Boden und erschlugen sie mit dem Säbel. Später hat jener Reiter, der am Tor den Aufruhr verursachte, in den Weinbergen einen alten Mann und seine Frau überritten und schlug ihre Köpfe mit einem Weinstickel blutig.


Westansicht mit dem Flanierweg, der auf dem Wall vor dem Stadtgraben rund um die Stadtmauer führt

Am 22.8.1631 stand ein Soldat am Tor Wache, er hieß Hans Schuster. Offensichtlich hatte er mächtig Langeweile und so schoß er mit seiner Muskete auf die Ziegelhütte vor der Stadt. Die Frau des Zieglers kam anscheinend in die Schußlinie: ihr wurde oberhalb der linken Brust in den Körper geschossen (oder geschah es aus Absicht?).
Heute wirkt das Tor friedlich und malerisch, aber was es alles gesehen hat, das mag man heute nicht mehr erleben wollen.

Die Wirkung des troes wird hauptsächlich durch das schöne Fachwerk hervorgehoben:


Das Wohnhaus aus dem 17. Jh.




Das Torwächterhäuschen aus dem 17. Jh.


Eine Besonderheit ist das originale Tor mit dem sehr kleinen Schlupfpförtschen, durch das Spätheimkehrer noch hinein oder Bürger hinauskonnten, ohne das schwere Tor öffnen zu müssen. Öffnen und Schließen der Torflügel beanspruchte Zeit, die versteckt liegende Feinde nutzen konnten.


Die rote Markierung zeigt die Lage des Tores