Montag, 20. Februar 2012

Iphofen - Teil II


as Pesttor oder Totentor


Die hellblaue Markierung zeigt das Pesttor

Der Name könnte der Titel einer Gruselsage sein. Es war einmal eine gar schröckliche Zeit, da … na ich schreibe lieber seriös weiter.
Für die Menschen damals war das Tor lediglich der "Schneller", ein Durchgang für Fußgänger. Der heute gebräuchliche Schauderromanname stammt aus dem Jahr 1584.


Der Zentturm mit dem Stadttor - als "Gemälde",
 das Foto war etwas langweilig.

Sieht man sich die ungewöhnliche Lage des Tores an, wird der alte Name "Schneller" deutlich: man kam durch das Tor auf kürzestem Weg zum Friedhof und der Martinskapelle, die das Pfarrzentrum des Gräbenviertels hohenlohischer Zeit darstellte. Mitunter hieß das Tor deswegen auch „St. Martins-Tor“.



Die Toranage und ihr Umfeld

Das Tor dürfte bereits in einfacher Form bestanden haben, als Würzburg seinen Stadtteil mit einer Mauer umwehrte. Womöglich war das folgende steinerne Tor der Beginn einer Antwort Hohenlohes auf diese Maßnahme im frühen 14. Jh. Später wurde vom Tor auf den Wall ein Steg gelegt. Der hohenlohische Graben um das Gräbenviertel war demzufolge schmäler. Mit Einbezug des Hohenloher Teils wurde der Graben entsprechend verbreitert und dem Würzburger Stadtgraben angepaßt, weswegen das Tor unterhalb des Walls und im Graben steht.


Bildindex.de. Foto aus ganz frühen 20. Jh. und als Vergleich aus dem ganz frühen Jahr 2012

Vom Tor sind nur die Umfassungsmauern und der Turm, der sogenannte Zentturm geblieben. Wann genau das Dach über die Tormauern gelegt wurde, kann ich nicht sagen.
Anno 1902 brannte der obere Teil des Zentturms wegen Brandstiftung ab. Bald darauf wurde er wieder neu aufgeführt, so wie man ihn heute noch sieht. Der Brandstifter namens Schneider Wendel (ein „liederliches Individuum“), wurde gefaßt und bekam erneut vier Jahre Zuchthaus – vorher saß er fünf Jahre wegen anderen Delikten ein.



Warum der Name „Zentturm“? Hier wohnte der Zentknecht oder Zentbüttel der Stadt. Die Aufgaben dieses Amtes umfaßten das Vorführen der Todeskandidaten zum Galgen im „Galgengrund“ (Flurname bei Iphofen). Außerdem mußte er, wenn es einen Zent- oder Gerichtstag gab, an 19 festgesetzten Punkten den Termin ausrufen – man nannte es „die Zent beschreien“. Der Wortlaut war ebenso vorgeschrieben: Höret ihr Herren, reich und arm, auf diesen nachfolgenden Tag sollt ihr zu Iphofen zu Gericht sein, als lieb meines Herrn Hulde sei!“ (in Unkenntnis des Iphöfer Dialekts auf hochdeutsch wiedergegeben). Im Rahmen von gerichtlichen und Stadtrechtlichen Obliegenheiten war der Zentknecht das Mädchen für alles.



Nun zum wesentlichen, der Pest. Besonders prägend wurde hier das Nachmittelalter, die großen Pestjahre (so in der Chronik Iphofens bekannt geworden) von 1524 und 1584 waren so schlimm, daß die Toten karrenweise durch das Tor zum Friedhof gebracht wurden. Das Tor wurde, um diese Zeit zu vergessen, 1596 zugemauert. Man machte das auch unter dem Aspekt der Sicherheit, da das Tor in einer ungünstigen Lage in die Stadtmauer eingefügt war. Die Pest wütete noch 1611 und 1632 (als die Stadt schon unter Plünderungen genug zu leiden hatte). Der dritte Grund war, daß das Tor durch die Zerstörung der Martinskapelle im Bauernkrieg und nachfolgenden Jahren seine Bedeutung verlor.


Dou kumst net nei!

In der südlichen Innenwand sind Rest von Heiligenbildern, die aus der zeit um 1350-1400 stammen. Es ist dadurch zu erklären,d aß hier im Mittelalter ein Wegabschnitt der Fronleichnamsprozession hindurchging.


Romantische Ansicht der Toranlage - *seufz*

Aus dem Leben mit dem Tor ist nur wenig anderes überliefert. 1560 wurde der Torwächter Marsilius Gugelein aus dem Amt entfernt, weil er ohne Wissen des Rats das Tor geöffnet hatte.
Der Zentturm könnte auch der 1596 erwähnte „Hexenturm“ gewesen sein, in welchem entsprechend verunglimpfte Frauen und Mädchen gefangen gehalten und gefoltert wurden.


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