Dienstag, 21. Februar 2012

Der Zellerberghof

eine Mutter ist seit April 2011 in einem Pflegeheim in dem kleinen Ort Zell am Main. Seitdem bin ich oft und gern durch Zell und über die Höhen gewandert.
Oberhalb des Dorfes erstreckt sich eine weite Hochfläche, die zum Teil Naturschutzgebiet ist und streckenweise an die Rhön erinnert. Auf alten Fotos sah ich des öfteren einen großen Bauernhof am Berghang , der heutzutage nicht mehr existiert.
Bei der Waldkreuzung , bei der in der Spitze des Waldgürtels ein Waldweg halbrund von Süd wieder nach Süd abiegt, war der mutmaßliche Standort.

Dieser Hof  wurde zwischen 1812 und 1820 von einem Zeller  namens Pasqual Grosjean gebaut. Sein Name ist schon ungewöhnlich und erinnert an das Französische. Hier läßt sich wild spekulieren.  Waren die Franzosen nicht 1796, 1799 und dann 1805 hier in Franken? 1812 und 1813 zog Napoleon durch Zell am Main.  Könnte es sein, daß in den Jahren zwischen 1805 und 1812 ein französicher Soldat die "Flinte ins Korn" schmiß und in Zell verblieb - aus Liebe zu einem Mädchen vielleicht?
Na, wie dem auch sei, jedenfalls stand ab 1820 an der Bergspitze hinter der Kirche ein weitflächiger Bauernhof mit 150 Morgen Ackerland. Die Äcker mußten erst vom Stangenholz des Geißreinwaldes befreit werden und waren sehr steinig, brachten wenig Ertrag.
 Kann das ein weiteres Indiz für die ausländische (französische?) Abstammung des Mannes sein, der  durch die Gemeinde diesen Platz zugewiesen bekam?



 Es folgten noch mehrere andere Besitzer, bis der Hof im Jahr 1917 an die Stadt Würzburg kam. 1960 wurde der Hof dann komplett abgerissen. Ein Urenkel des Erbauers, Wilbur Grosejan aus den USA kam extra zu diesem Anlaß nach Würzburg.
Das Gelände wurde geebnet, teils wieder mit Bäumen bepflanzt und ich hatte nach all den Jahrzehnten Mühe, den Standort zu finden. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich ihn haargenau lokalisieren konnte.




Ausschnitt eines Ktasterplan des späten 19. Jh. mit dem Grundriß des Hofes

Luftbildaufnahme (Ausschnitt) einer Postkarte

Viel sieht man auf den Fotos, die ich gemacht habe, ja wirklich nicht. viel junge Holz, hier und da eine Mulde oder Bodenerhebung, wobei davon nicht mal kalr ist, ob es Relikte des Hofes sind. Ein großes Halbrund, in dem vielleicht (!) ein Gebäude stand, die Wiesen am Hang ... wenn man es nicht wüßte, sind die Fotos ansonsten  ein "Ja, was ist denn jetzt das?" wert. Hier ist ein echter "Lost place".
Also, hier die extrem nichtssagenden Fotos:




Aber die Gegend ist sehr schön!

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