Freitag, 18. März 2011

Bäume

Mein Liebling bei Oberaltertheim/Lkr. Würzburg
arum sitzen in vielen Gemeinde- und Stadträten, in Ministerien und  Baubehörden  Personen, denen anscheinend der Anblick von Bäumen ein Holzsplitter im Auge ist?
Kann es sein, daß es Menschen gibt, denen die Größe und Wucht dieser Weltwesen unterbewußt Neid wegen der eigenen Winzigkeit hervorrufen? Mögen diese Menschen nur kahle Landschaften und zubetoniertes Land? Wirtschaftliche Erwägungen allein können es doch nicht sein. Gibt es eine perfide Lust am Baumfällen? Ist es ein kleines Gefühl der Macht über die Natur?

Überall müssen Bäume für Projekte weichen, die heutzutage nur dem Profit und dem eigenen Prestige dienen. Fortschritt um jeden Preis?
Manchmal ist es verständlich, wenn Bäume gefällt werden müssen, weil sich  Wurzelwerk oder kranke Bäume gefährlich auf Mensch und Natur auswirken können. Sehr oft aber sterben Bäume aus Gründen, die nicht nachvollziehbar sind.

Gut, ich sehe es gerade zuuuu schwarz (und auch Baumträumerisch naiv). Zum Glück gibt es ein Naturschutzgesetz. Zum Glück gibt es auch besonnene Menschen in entsprechender Machtposition, die  einiges bewirken können. Zum Glück gibt es Initiativen, die mit ihrem Veto einschreiten können.
Sicher, oft werden für gefällte Bäume Ersatzpflanzungen vorgenommen - doch sollte man wirklich genau überlegen, ob es notwendig ist, überhaupt einen älteren, für den Naturhaushalt wichtigen Baum zu fällen. Es sind in gewisser Form Mitlebewesen, die uns und der Umwelt gut tun.




Internetfunde für sinnfreie und/oder vermeidbare Fällungen, gleichzeitig zum Gedenken für diese Bäume gedacht:


Ein feines Buch über den Baum

Ein sehr schöner (und langer) Text über den Baum und seine Bedeutung:
Bäume gehören zu den größten Organismen unserer Erde, sie werden größer und älter als alle andern Pflanzenarten. Durch ihr Höhenwachstum haben sie sich gegenüber anderen Pflanzen einen unschätzbaren Konkurrenzvorteil verschafft, sie überragen alle anderen und können somit mehr Sonnenlicht aufnehmen. Das Landratsamt möchte in einer kurzen Reihe einige charakteristische Bäume vorstellen.

Bäume besiedeln die Erde bereits seit etwa 350 Millionen Jahren. Ihr ursprünglicher Lebensraum war der Wald, hier konnten sie sich ungestört entwickeln, waren Bestandteil eines natürlichen Kreislaufsystems. Auch heute noch sind Wälder, mit gewissen Einschränkungen, mit die naturnahsten Ökosysteme, die es noch gibt. Hier können sich die Bäume noch immer ( so sie der Forstmann denn lässt) in den Himmel erheben.
Anders in der Stadt.
Hier kann sich ein Baum nur in den Schranken, die ihm der Mensch setzt, entwickeln. Der Wurzelraum wird eingeschränkt durch Straßen, Bürgersteige, Leitungen, Parkplätze; Baumkrone und Wurzel können sich nur bis zum nächsten Gebäude oder bis zur nächsten Straße ausbreiten; ein natürlicher Nährstoffkreislauf findet nicht statt; Immissionen und das extreme Stadtklima belasten die Gesundheit des Baumes, erschweren ihm das Überleben. Allzu viele Bäume werden leider zu Störenfrieden, zum Ärgernis, zum Problem der Verkehrsicherheit, zum Objekt nachbarschaftlicher Streitigkeiten degradiert. Sie stehen der städtebaulichen Entwicklung im Weg, sie machen Angst, sie besitzen die Frechheit im Herbst ihre Blätter fallen zu lassen (die natürlich schnellstens entsorgt werden müssen). Bäume können alt, krank und pflegebedürftig und damit zum Kostenfaktor werden.

Wir sollten jedoch die positiven Wirkungen der Stadtbäume sehen, die nicht in Euro und Cent zu beziffern sind:
Stadtbäume verbessern die Lebensqualität: Sie dämpfen den Lärm, sie mildern den Wind, sie bieten Sichtschutz; sie sind beliebte Treffpunkte für Jung und Alt, sie sind Spielplatz für Kinder.
Stadtbäume sind grüne Akzente in oftmals grauen Häuserschluchten: Sie lockern und gliedern das Stadtbild auf.

Stadtbäume verbessern das Stadtklima: Sie spenden Schatten und Kühle in der aufgeheizten Stadtatmosphäre, sie mildern Temperaturextreme. Ein großer Laubbaum verdunstet bis zu 500 Liter Wasser am Tag und erhöht dadurch die Luftfeuchtigkeit.

Stadtbäume verbessern die Stadtluft: Eine große Buche kann den Tagesbedarf an Sauerstoff für etwa 50 Menschen produzieren. Bäume verbrauchen Kohlendioxid, sie filtern Straßenstaub und Abgase aus der Luft (unter Bäumen kann die Luft bis zu 70 % weniger Staubteilchen enthalten).
Stadtbäume sind Lebensraum für Vögel, Insekten und verschiedene Kleintiere: Bis zu 300 Insektenarten können beispielsweise auf einer Eiche leben. Zahlreiche Vogelarten finden in der Baumkrone oder in Baumhöhlen Nistmöglichkeiten.

Stadtbäume bestechen durch ihre Schönheit, durch ihre bunten Blüten, Früchte und Blätter.

Stadtbäume bewahren ein Stück Natur im vom Menschen geprägten Siedlungsraum. Sie führen uns ein Stück weit zurück an unsere eigenen Wurzeln.

Deshalb sind Stadtbäume unersetzbar und schützenswert. Ihr Erhalt muss ein Anliegen von uns allen sein. Bevor die Motorsäge zum Zuge kommt, bevor ein Stadtbaum gefällt werden soll, muss immer sorgfältig geprüft werden, ob es nicht Alternativen gibt. Eine Baumsanierung, wenn auch mit Kosten verbunden, kann das Überleben eines Baum noch Jahrzehnte sichern. Sanierung bis zur Unkenntlichkeit kann allerdings nicht das Ziel sein. Auch ein Baum ist ein lebendes Wesen, dass früher oder später stirbt. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir erkennen müssen, dass ein Baum zur Gefahr für Leben und/oder Eigentum der Stadtbewohner werden kann, dass er mit vertretbaren Mitteln nicht mehr zu halten ist. Dann sollte es uns aber auch Verpflichtung sein, für Ersatz zu sorgen. Bis ein neu gepflanzter Baum allerdings die Funktionen eines alten Stadtbaumes übernehmen kann, vergehen aber einige Jahrzehnte.

"Zu fällen einen schönen Baum, braucht´s eine halbe Stunde kaum –

zu wachsen bis man ihn bewundert, braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert!“

Pressemitteilung: 215 vom 02.08.2002 des Ostalbkreises

Kommentare:

  1. Wenn ich nur an das Haus meiner Eltern denke, als ich damals von Berlin wieder kam.
    Gekauft hatten sie ein Haus auf dem Land, überall Wiesen und Wald und Bauernhöfe. Kaum Verkehr. Eine echte Idylle.
    Nach und nach kam Industrie, Wiesen wurden betoniert, Gewerbegebiete gebaut, rechts eine Autohaus mit Tüv, links ein Autohändler. Den ganzen Tag Auspuffgestank. Autoschlangen, die sich am Haus meiner Eltern vorbei zogen, zur Ampelkreuzung.
    Dann starb mein Stiefvater. Meine Mutter lebt heute in Hamburg. Das Haus wurde abgerissen. Geblieben sind Erinnerungen.

    LG Mauve

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  2. Ein Hausbesitzer am Ende meiner Straße hat einen sehr schönen Baum gefällt, der Unterschlupf für den Familienhund war und ein Blickfang für alle, die um die Kurve fuhren, war.
    Da fehlt jetzt was auf der kahlen Wiese.

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  3. Der Umgang mit der Natur ist geprägt von der göttlichen Arroganz des ein oder anderen Menschen und dazu gehören nicht nur Stadtplaner.

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  4. Auf der Fällliste durch Städte fehlt Leverkusen - Stadtteil Hitdorf....es hat sich jetzt sogar dafür der OB entschuldigt. Bei der gesamten Bevölkerung!!
    Wuff und LG
    Aiko

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